Alfred Wolfenstein 1888-1945

1 Dicht wie die Löcher eines Siebes stehn ...... etc.

Analyse und Interpretation:

Das expressionistische Gedicht „Städter“ (1914) von Alfred Wolfenstein behandelt das Thema Großstadt-Anonymität und -Einsamkeit. Als Gedichtform ist in diesem Werk dass Sonett1 gewählt, verfasst in einem umarmenden Reim (abba).

Im dem ersten der beiden Quartette beginnt der Sprecher zu beschreiben, wie eng die Fenster der Häuser beeinander gereiht sieht (Z.1f). Wolfenstein versucht in seiner ersten Strophe das Gefühl von Enge zu erzeugen. Emphatisiert2 wird das ganze durch den umarmenden Reim, den ständigen Enjambements3, die Tempo in den Lesefluss bringen und damit zusätzliche Hektik, Flucht und Panik vermitteln, sowie über eine Alliteration4 (Z.4: „Grau geschwollen wie Gewürgte“). Die Fenster und Häuser werden durch dass gegenseitige „anfassen“ personifiziert; der Schluss liegt also nahe, dass nicht nur die Häuser eng beeinander stehen, sondern sich auch die Menschen beengt fühlen. Die permamente Anhäufung von Enjambements im gesamten Gedicht wird auch als „Hakenstil“ bezeichnet.

Im zweiten Abschnitt des Werks wird das Innenleben einer „Trams“ (Straßenbahn) geschildert. Anders als in der ersten Strophe, findet hier eine „Depersonifizierung“5 statt. Zwei Menschen sitzen in der Straßenbahn und werden als „Fassaden“ bezeichnet. (Z.5f). Fassaden – das impliziert Oberflächlichkeit und Gefühlskälte zwischen den Menschen. Auf metaphorische Weise berichtet das lyrische Ich, wie sich die Menschen gegenseitig beäugen (Z.7: „ihre nahen Blicke baden Ineinander, ohne Scheu befragt“). Der siebte Vers kann so aufgefasst werden, dass die Menschen mit ihren Augen orientierungslos nach Wärme und Kommunikation suchen, aber sie nicht zu finden scheinen.

Damit sind die beiden Quartetten abgeschlossen. Häufig folgt in Sonetten eine Zäsur6 zwischen den Quartetten und Terzetten. Ein deutlicher Einschnitt zwischen den beiden Teilen ist aber nicht zu erkennen, man kann allerdings feststellen, dass der Sprecher mit einer (Ich-)Reflexion beginnt, in der er beschreibt, welche Wirkung die Großstadt auf das lyrische Ich und seine Menschen entfaltet. Die Menschen sind so eng aneinander gedrängt und die Wände so dünn, dass er Sprecher feststellen muss, dass es keine wirkliche Privatsphäre gibt (Z.9ff). Alle Menschen nehmen, aufgrund der Nähe zueinander und den durchlässigen Häuserwänden, (ungewollt) teil an den Emotionen des anderen. Wolfenstein stellt hier einen Vergleich an, indem er schreibt, dass die Wände dünn wie Haut seien (Z.9).

Die letzte Strophe stellt nun einen Scheinwiderspruch, einen Antagonisten zur dritten Strophe dar. Hier schwenkt der Autor dazu über, die Unterkünfte der Stadtmenschen als „dick verschlossene Höhlen“ zu bezeichnen, in der die Menschen stumm hausen (Z.12). Paradox7 scheint auf den ersten flüchtigen Blick zu sein, dass zuvor die Trennwände der Behausungen mit Haut verglichen wurde (Z.9), hier jedoch schreibt Wolfenstein von dicken Höhlen (Z.12). Auch Vers 13 und 14 haben „Gegenspielerverse“, denen sie antithetisch gegenüberstehen: In Vers 10 und 11 musste das lyrische Ich noch konstatieren, dass es keine Intimsphäre gibt. In der letzten Strophe jedoch heißt es, dass das Individuum alleine sei, „unangerührt und ungeschaut“ (Z.13f).
Diese Antithesen7 lassen sich widerspruchsfrei auflösen, wenn wir die Beziehung der Menschen in zwei Ebenen aufteilen: Einmal der Enge, die dem Individuum jegliche Rückzugsräume nimmt (Z.10: „Dass ein jeder teilnimmt, wenn ich weine“), und dann wiederum die Anonymität, das Desinteresse, die gestörte Kommunikation und die fehlende Wärme zwischen den Menschen (Z.13f: „Ganz unangerührt und unangeschaut Steht ein jeder fern und fühlt: alleine“).

Alfred Wolfenstein stellt ein düsteres Bild des Großstadtlebens am Anfang der Jahrhundertwende dar. Wir müssen uns den historischen Hintergrund der zeitgenössischen Expressionisten vergegenwärtigen: Am Anfang des 20.Jahrhunderts fand eine große Industrialisierungs- und Urbanisierungswelle statt. Neue Erfindungen wie die Eisenbahn waren für viele Menschen zunächst befremdlich und die Städte waren der schnellen Verstädterung nicht immer gewachsen; die Bildung von Ghettos, Notunterkünften und Wohnblöcken für Sozialschwache dürften alltäglich gewesen sein.
Wolfenstein stellt in seinem Gedicht eine Kritik am Großstadtleben heraus. Kritikpunkte sind die Anonymität und Einsamkeit, die Enge, die Kommunikationsfeindlichkeit und der Untergang des Individuums in der „Masse“.

Anmerkungen:
1 Ein Sonett besteht aus zwei Quartetten (zwei Strophen mit jeweils vier Versen) und zwei Terzetten (zwei Strophen mit jeweils drei Versen). Das Sonett ist eine Gedichtform, die häufiger im Expressionismus zu beobachten ist. Zwischen den Quartetten und Terzetten gibt es meist einen inhaltlichen Einschnitt.
2 Betonen, untermalen, hervorheben (im Englischen auch „to emphasize“).
3 Zeilensprünge. Ein Satz wird hier häufig gegen die Logik des Lesers mittendrin umgebrochen und auf zwei Verse verteilt. Je nach Kontext und Art der Umbrechung kann der Satz damit abgehackt (da man wegen der Unlogik zu Gedanken- und Sprechpausen gezwungen wird) oder auch temporeich wirken.
4 Alliteration (Stilmittel): Bei der Alliteration beginnen mehrere Worte mit dem gleichen Buchstaben. Beispiel: „Milch macht müde Männer munter.“
5 Personifikation (Stilmittel): Bei der Personifikation wird ein lebloser oder ein abstrakter Begriff, oder aber auch ein Tier, „vermenschlicht“. Personifikationen treten z.B. immer in Fabeln auf (da Tiere wie Menschen handeln). Anderes Beispiel: Der Mond schaut zornig drein; der Mond nimmt hier also charakteristische menschliche Züge an. Mit „Depersonifizierung“ hingegen ist eine Form von „Entmenschlichung“ gemeint, da die Menschen hier die Charakterzüge eines Gegenstandes annehmen.
6 Einschnitt.
7 Paradoxon=Widerspruch; Antithese=Gegenteilige Behauptungen, die gegenüber gestellt w






Georg Heym 1887-1912

1 Sehr weit ist diese Nacht. Und Wolkenschein


Analyse und Interpretation:

Das Sonett „Die Stadt“ von Georg Heym aus dem Jahre 1911 beschreibt auf teils düstere Weise das nächtliche Stadtleben aus der Sicht eines all überschauenden Ich-Sprechers. Das Gedicht ist sowohl formal, als auch inhaltlich durch eine Zäsur1 zwischen den beiden Quartetten und Terzetten geteilt. Es hat einen umarmenden Reim abba in den ersten beiden Strophen und einem Dreifachreim in der dritten und vierten Strophe.

Die Szenerie wird zunächst als eine dunkle, bewölkte Mondnacht eingeleitet (Z.1f) und mit rot beleuchteten Häuserfenstern (Z.3f). Stilistisch sind Vers 1 und 2 über ein Enjambement2 auseinander gerissen, denn beide Verse gehören eigentlich zusammen. Was noch auffällt sind die Personifizierungen3 der Häuserfenster (Z.3f) und die Wahl von positiven Adjektiven; die Wortwahl wirkt geradezu verniedlichend.

Die zweite Strophe beschreibt den Stadtverkehr, er wird sehr lebhaft und verflochten als „Aderwerk“ beschrieben (Z.5), als auch das pulsartige Treiben der Menschen. Die Verse 7 und 8 des letzten Quartetts bilden eine Brücke zu dem inhaltlich zweiten Teil des Sonetts, die sehr vitalen positiven Beschreibungen weichen und der Ich-Sprecher nimmt das stumpfe Geräusch der Stadt wahr, welches vom „stumpfen Sein“ - vom möglicherweise monotonen, langweiligen Leben in der Stadt - herrührt.

Wie in Sonetten häufig üblich, stehen auch hier die nachfolgenden Terzette ganz im Kontrast zu den vorangegangenen Quartetten. Es kommen erst einige Antithesen4, bei denen Gebären und Tod gegenüber gestellt werden und dem Sprecher nur als „gewirktes Einerlei“ erscheinen. Trotz dieser völligen Gegenüberstellung von Kontrasten, nämlich von zwei unterschiedlichen Lebensabschnitte, bei dem der eine lebenseinleitend und der andere lebensbeendend ist, nur das lyrische Ich nur ein diffuses5 Ganzes wahrnehmen und ist außer stande, beides voneinander zu differenzieren. Im nächsten Vers folgt dann ein Parallelismus6, welcher eine ebensolche Antithese enthält: „Lallen der Wehen“ und „Langer Sterbeschrei“. Der Sprecher könnte sich in einer Lethargie7 oder Verdrießlichkeit zu befinden, dieser „blinde Wechsel“ von Gegensätzlichkeiten geht am Sprecher teilnahmslos und „dumpf“ vorbei (Z.11). Heym verdeutlich in dieser Strophe die Kurzlebigkeit und Bewegung in der Stadt, in dessen Tempo das lyrische Ich nicht mehr mitkommt. Diese Strophe könnte jedoch auch eine Kritik an der Großstadt-Anonymität darstellen, da der Sprecher kein Interesse an den Einzelschicksalen seiner Mitmenschen zeigt (selbst bei solchen wichtigen Einschnitten in der Vita eines jeden Menschens wie Tod und Geburt) und wegen der Masse an Menschen auch gar nicht zeigen kann.

Die letzte Strophe beschreibt ein Bild der Bedrohung. Feuer, Fackeln und Brand sind von der Ferne aus sichtbar und gefährden die Existenz Stadt. Der stark aufsteigende schwarze Rauch und in dem sich reflektierende Feuerschein unterstreichen die Bedrohung (Z.14). Es handelt sich wahrscheinlich um einen Waldbrand.

Das lyrische Ich bleibt im Hintergrund. Über ihn/sie wird nur über die auffällig expressive Sprache wie dem Substantiv „Aderwerk“ was über das Gefühlsleben bekannt. Augenscheinlich wird die Stadt als sehr lebendig und besinnlich geschildert, weiter in das Leben der Menschen hineindringend wird ein Gefühl von Eintönigkeit und Dumpfsinn, vielleicht auch Einsamkeit und Anonymität vermittelt. Auffallend ist, dass der Beobachter die Stadt mit einem menschlichen Körper vergleicht. Sie ist in den beiden Quartetten ein pulsierender Körper mit „blinzelnden Lidern“. Auf die beiden Terzetten zugehend wird ihr „Sein“ jedoch „stumpf“ und der Körper ist hin- und hergerissen zwischen Leben und Tod.
Es ist zu vermuten, dass der Sprecher wenigstens seit einiger Zeit in der Stadt lebt, so dass man der Person Unzufriedenheit mit seinem Alltagsleben in der Stadt unterstellen könnte. Es ist auch nicht bekannt, bzw. es gibt keine Anhaltspunkte, welche oder ob überhaupt eine bestimmte Stadt gemeint ist.

Sehr typisch für den Expressionismus greift dieses Gedicht von Heym das Motiv der Naturkatastrophe und des Weltuntergangs im biblischen Stil auf; das existenzbedrohende Feuer stellt nämlich in der Bibel eine Art apokalyptischer Vorbote dar. Darüber hinaus ist ebenso das Thema Großstadt ein beliebtes Thema zeitgenössischer Expressionisten. Insgesamt ist die Sprache sehr metaphorisch8 (z.B. Z.3ff und Z.14) und gefühlsbetont. Dem Leser werden nicht nur optische, sondern auch akustische Schilderungen gegeben. Die Form und der Reim sind streng, das Gedicht wird in die Form eines festen Schemas „gepresst“ und steht im Kontrast oder wird gerade zur Verstärkung zum häufig wechselhaften Inhalt expressionistischer Lyrik verwendet.
Zusätzlich können wir die für den Expressionismus typischen Farben schwarz (Z.1: „Nacht“) und rot (Z.4: „blinzeln mit den Lidern rot und klein“, Z.5: „Aderwerk“, Z.12: „Feuer, Fackeln rot und Brand“) entdecken, genauso wie häufig in expressionistischen Werken auftauchende Stilmittel wie Personifikationen (Z.3ff), Metaphern (Z.5f, Z.14) und Verfremdungen (Z.1: „Sehr weit ist diese Nacht“, Z.8: „Eintönig kommt heraus in Stille matt“).

Abschließend können wir feststellen, dass an diesem Gedicht typische Großstadtkritik der Expressionisten deutlich wird.


Anmerkungen:
1 Einschnitt
2 Zeilensprünge. Ein Satz wird hier häufig gegen die Logik des Lesers mittendrin umgebrochen und auf zwei Verse verteilt. Je nach Kontext und Art der Umbrechung kann der Satz damit abgehackt (da man wegen der Unlogik zu Gedanken- und Sprechpausen gezwungen wird) oder auch temporeich wirken.
3 Personifikation (Stilmittel): Bei der Personifikation wird ein lebloser oder ein abstrakter Begriff, oder aber auch ein Tier, „vermenschlicht“. Personifikationen treten z.B. immer in Fabeln auf (da Tiere wie Menschen handeln). Anderes Beispiel: Der Mond schaut zornig drein; der Mond nimmt hier also charakteristische menschliche Züge an.
4 Antithese (Stilmittel): Gegenüberstellung von Gegensätzen; Behauptungen die sich zu widersprechen scheinen.
5 Unscharf, undeutlich, ungenau.
6 Parallelismus (Stilmittel): Es liegt ein Parallelismus vor, wenn zwei (oder mehr) Sätze den gleichen grammatisch-syntaktischen Aufbau haben.
7 Teilnahmslosigkeit, Desinteresse.
8 bildlich











Alfred Lichtenstein 1889-1914


1 Ein dicker Junge spielt mit einem Teich... etc.


Analyse und Interpretation:

„Die Dämmerung“ (1913) ist wahrscheinlich das berühmteste Gedicht von Alfred Lichtenstein. Es besteht aus drei Strophen mit je vier Versen und einem Wechselreim (abab).

Das lyrische Ich beschreibt in diesem Gedicht, was es zur Abenddämmerung in seiner Umgebung beobachten kann, z.B. einen Jungen der am Teich spielt (Z.1), den weißblauen Himmel (Z.3f), zwei Gehbehindert, die über ein Acker spazieren (Z.5f) oder eine Frau, die mit einem Pferd zusammenstößt (Z.8). Das Gedicht scheint keine Pointe zu haben oder etwas, dass man umgangsprachlich den „tieferen Sinn“ nennt. Dennoch hat es dieses Werk zu einiger Berühmtheit gebracht. Der Grund dafür ist, dass man an diesem Gedicht zum einen den typisch expressionistischen „Zeilen-“ und „Reihungsstil“ erkennen kann. Reihungsstil bedeutet, dass es in diesem Gedicht eine Aneinanderreihung von kurzen prägnanten Sätzen gibt. Immer ein oder zwei Sätzen bilden zusammen eine logische Einheit. Diese Einheiten sind fast beliebig vertauschbar, ohne dass der Kontext wirklich verändert würde. Ganz radikal gesprochen: Man könnte das Gedicht auch andersrum lesen, es wäre immer noch genauso sinnvoll oder auch sinnlos.
Da alle diese Sinneinheiten autark1 sind und keine engere Verbindung mit den anderen Einheiten haben, wirkt für den Leser dass Gedicht „Die Dämmerung“ von Lichtenstein irgendwie wirr und zusammenhanglos.
Alfred Lichtenstein hat sich im wesentlichen von Jakob van Hoddis inspirieren lassen, ebenfalls ein expressionistischer Lyriker. Von van Hoddis stammt das sehr bekannte Gedicht „Weltende“, auch hier kann man den Reihungs- und Zeilenstil sehen. Würde man abschätzig über Lichtenstein reden wollen, so könnte man sein Werk auch als Plagiat2 oder Epigone3 bezichtigen.

Darüber hinaus fällt auf, dass sich die Beschreibung des Sprechers zur Eintönigkeit tendieren. Das hängt mit den zahlreichen Parallelismus4 zusammen, denn viele Verse haben den gleichen grammatikalischen Aufbau; aber auch die ständigen Wiederholungen von Wörtern (Anaphern5), wie z.B. das Wort „Ein“, welches am Anfang von Vers 1, V.7, V.8, V.10, V.11 und V.12 auftaucht, unterstützen diesen Eindruck.

Dass uns das Werk als Leser sehr befremdlich erscheint, hängt aber nicht nur mit dem Zeilen- oder Reihungsstil zusammen, sondern auch mit den grotesken und surrealen Beschreibungen des Sprechers. Lichtenstein macht sich dazu verschiedene Techniken zu nutze. Zum Beispiel der Personifizierung6 (Z.2, Z.3f, Z.12), den obskuren Protagonisten, die in seinem Werk erscheinen (Z.7: „Dichter“, Z.11: „Clown“), den befremdlichen oder deplatzierten Adjektiven (Z.3: „Der Himmel sieht verbummelt aus“, Z.7: „Ein blonder Dichter wird vielleicht verrückt“ - Was für eine Rolle spielt die Haarfarbe des Dichters in diesem Vers?), der Auflösung von Zeit und Raum (Z.1: „Ein dicker Junge spielt mit einem Teich.“ - Hier würde man eine lokale Präposition wie „spielt an einem Teich“ oder „spielt in einem Teich“ erwarten, stattdessen wird die modale Präposition „mit einem Teich“ benutzt) oder dem spielerischen Umgang und der Vertauschung von Subjekt und Objekt (Z.8: Für gewöhnlich würde man den Menschen als Subjekt nehmen, welches mit etwas zusammenprallt, nämlich dem Pferd).
Mit seinen surrealen Beschreibung ist Lichtenstein geradezu visionär und fortschrittlich, denn ungefähr im Jahre 1917-1945 gab es tatsächlich ein Kunst- und Literaturrichtung, die sich „Surrealismus“ nannte. Im Surrealismus geht es um die Verschmelzung, die Durchdringung und die Auflösung der Grenzen von Realität und Traum, „sur-realistisch“ (überrealistisch) eben.
Dass Lichtensteins Gedicht sich ein wenig zwischen diesen beiden Zuständen befindet, kann man vielleicht auch schon am Titel ablesen: „Die Dämmerung“. Die Dämmerung ist der Übergang von Tag zur Nacht, also eine Zwischenebene, genauso wie der Surrealismus zwischen Traum und Realität liegt. Die Dämmerung verwirrt die Sinne des Beobachters, Erscheinungen werden undeutlich und regen zur Fantasie an.

Lichtenstein selbst hat versucht sein Gedicht zu interpretieren und geschrieben, dass es ihm bei seinem Werk darum gegangen sei, die Dinge unmittelbar zu beschreiben, ohne überflüssige Reflexion. Natürlich wüsste Lichtenstein, dass z.B. nicht der Kinderwagen schreien würde (Z.12), sondern das Kind darin, aber dass zu schreiben wäre eine Reflexion zuviel. Der Sprecher des Gedichtes verknüpft nur das Offensichtliche; er sieht einen Kinderwagen und hört das Geschrei, er zieht daraus den Schluss, dass der Kinderwagen schreit. Diese Art der Beschreibung wirkt für uns Leser fast schon etwas kindlich und naiv.

Zu Lichtenstein ist des weiteren noch zu sagen, dass er anders als andere expressionistische Literaten, nicht von Schwermut und Depression begleitet wurde, wie z.B. Trakl, Wolfenstein oder Heym. Lichtenstein war auch kein Nihilist7 oder Zyniker8 wie Benn. Daher können wir auch in diesem Gedicht keine negative Stimmung oder ähnliches ausmachen; keines der typischen expressionistischen Themen (Großstadt, Abscheu vor dem Menschen, Zivilisationskritik, Weltuntergang etc.) trifft hier zu.



Anmerkungen:
1 Selbstständig; auf niemanden angewiesen sein.
2 Diebstahl geistigen Eigentums.
3 „Nachkomme“, Nachahmung, Kopie.
4 Parallelismus (Stilmittel): Es liegt ein Parallelismus vor, wenn zwei (oder mehr) Sätze den gleichen grammatisch-syntaktischen Aufbau haben.
5 Wiederholung eines oder mehrerer Wörter an Satz-/Versanfängen. Beispiel: „Er schaut nicht die Felsenriffe, er schaut nur hinauf“.
6 Personifikation (Stilmittel): Bei der Personifikation wird ein lebloser oder ein abstrakter Begriff, oder aber auch ein Tier, „vermenschlicht“. Personifikationen treten z.B. immer in Fabeln auf (da Tiere wie Menschen handeln). Anderes Beispiel: Der Mond schaut zornig drein; der Mond nimmt hier also charakteristische menschliche Züge an.
7 Person, die alle idealistischen und wertehaften Inhalte einer Idee, Überzeugung oder eines Glaubens ablehnt.
8 Mensch, der das Schlechteste von anderen denkt und erwartet und in seiner Art (zu anderen Menschen) spöttisch und verletzend ist. (Zynismus ist die Steigerung von Sarkasmus und Ironie).




Jakob van Hoddis 1887-1942


1 Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut,... etc.


Analyse und Interpretation:

Das Gedicht „Weltende“ (1911) ist das bekannteste von Jakob van Hoddis. „Weltende“ ist sogar fast das einzige Gedicht von van Hoddis, was einen nennenswerten Grad von Berühmtheit erlangt hat, aber das gewaltig. Denn das Erscheinungsdatum von „Weltende“ wird von vielen als der Beginn der expressionistischen Epoche und Jakob van Hoddis als ihr Vorreiter gesehen. Das eigentlich Besondere an diesem Werk ist der sogenannte „Reihungsstil“ (manchmal auch als „Simultanstil“ bezeichnet). Mit Reihungsstil ist das gleichzeitige oder kurz hintereinander Auftreten von zusammenhanglosen Metaphern1 gemeint. Genauer gesagt: Ein oder zwei Verse bilden jeweils eine Sinneinheit. Alle diese Sinneinheiten stehen in keinem offensichtlichen Zusammenhang mit den anderen Einheiten, so dass sich für den Leser der Eindruck erweckt, dass das Gedicht wirr, abgehackt oder zusammenhanglos wirkt. Dieser revolutionäre Reihungsstil wurde von vielen anderen expressionistischen Lyrikern rezipiert2, wie z.B. in dem Gedicht „Dämmerung“ von Alfred Lichtenstein (hier wird der Reihungsstil nochmals erklärt). Aber auch manch nachfolgende Epochen hat diese Technik für sich übernommen (z.B. der Dadaismus).
Was die äußere Form von „Weltende“ anbelangt, haben wir es hier mit einem einfachen zweistrophigen Gedicht mit jeweils 4 Versen zutun. Die erste Strophe ist in einem umarmenden Reim (abba) verfasst, die zweite Strophe in einem Kreuzreim (abab). Das Metrum ist ein fünfhebiger Jambus (unbetont-betont).

Wie sich aus dem Titel ableiten lässt, geht es natürlich um den Weltuntergang. Sehr grotesk3 klingen für den Leser nicht nur die disparaten4 Einzelbilder aufgrund des bereits angesprochenen Reihungsstils, sondern auch wegen den unverhältnismäßigen Gegenüberstellungen von Katastrophenszenen. In Vers 1 und 2 berichtet Sprecher davon berichtet, dass es sehr stürmisch ist und dem Bürger der Hut vom spitzen Kopf fliegt; Hoddis spielt damit nebenbei auch gleich auf das Spießbürgertum an. Im Gegenzug dazu fallen die Dachdecker im 3.Vers von den Häusern und werden durch den Aufschlag in zwei Teile zerfetzt. Noch krasser sind die letzten beiden Verse: Die „meisten Menschen haben einen Schnupfen“ und im nachfolgenden fallen die Eisenbahnen von den Brücken. Trotz des apokalyptischen Sujets5, welches viele Bezüge zur Bibel hat wie z.B. Z.2: „Zerdrückende Dämme“, Z.5: „Wilde Meere“ oder Z.2: „In den Lüften hallt es wie Geschrei“ (Offenbarung des Johannes/Apokalypse), werden die Beobachtungen des Sprechers total verharmlost, der Beobachter ist geradezu euphemistisch6. Der grausame Tod der Dachdecker wird nur lapidar mit „Dachdecker gehen entzwei“ geschildert; die Dachdecker werden „verdinglicht“ und depersonifiziert7, als sei ihr Tod zu vergleichen mit dem Entzweigehen einer heruntergefallenen Dachpfanne. Das Tosen des Meers wird nur mit „hupfen“ verniedlicht. Die Dammbrüche werden durch die Alliteration8 „dicke Dämme zu zerdrücken“ (Z.6) bagatellisiert9 und die Parenthese10 in Vers 4 („liest man“) scheinen dem Leser klar zu machen, dass der Sprecher sich vom Weltuntergang gar nicht betroffen fühlt.
Das Gedicht wirkt daher teilnahmslos, distanziert und emotionslos auf den Leser. Es fällt schwer, dieses ironisch-satirisch klingende Gedicht in seiner tatsächlichen Dimension ernst zu nehmen. Dazu setzt der Reihungsstil und die sehr starre äußere Form einen Kontrapunkt, zu dem ansonsten sehr bewegten Inhalt des Gedichtes; denn bei einer Beschreibung über den Weltuntergang erwartet man nicht unbedingt, dass noch auf Reimschema und Metrum geachtet wird. Äußere Form und Inhalt stehen also im Wettstreit zueinander.

Dieser schwarze Humor von van Hoddis speiste sich im Wesentlichen aus der Angst der sich vollziehenden Industrialisierung. Erfindungen wie die Eisenbahn waren für viele Menschen zunächst sehr befremdlich und man stellte absurde Theorien darüber auf, dass ein Mensch nur eine Geschwindigkeit bis 50 km/h aushalten könne. Die Städte erfuhren einen rasanten Bevölkerungswachstum und Zustrom aus der ländlichen Umgebung. Viele Städte waren dem nicht gewachsen und so machte sich Armut breit, sie hatten mit mangelnder Hygiene und der Bildung von Armenghettos zu kämpfen. Weltuntergangsstimmung machte sich allgemein breit. Ganz besonders traf dieses Ereignis allerdings mit der Wiederentdeckung des Halleyschen Kometen zusammen. Der Halleysche Komet versetzte die Menschen in große Panik, da man einen Aufschlag mit der Erde befürchtet hatte. Van Hoddis scheint die Weltuntergangsstimmung seiner Zeitgenossen in „Weltende“ zu verspotten.
Kleine Anmerkung: Parallel zu dem Gedicht „Weltende“ von van Hoddis gibt es noch das Gedicht „Die Menschen stehen vorwärts in den Straßen“ von Georg Heym. Auch das Gedicht von Heym bezieht seinen historischen Hintergrund ganz wesentlich aus dem befürchteten Kometeneinschlag. Anders als van Hoddis „verpottet“ Heym die Hysterie seiner Zeitgenossen jedoch auf eine ganze andere Art. Sein Gedicht wirkt insgesamt viel beklemmender und überzeugender, als das thematisch gleiche Gedicht von van Hoddis.



Anmerkungen:
1 Metapher (Stilmittel): Bild.
2 übernehmen.
3 absonderlich, verzerrt; phantastisch, lächerlich, absurd.
4 Nicht miteinander vereinbare Elemente.
5 Gegenstand, Motiv in Dichtung und bildender Kunst.
6 Euphemismus (Stilmittel): Beschönigung.
7 Personifikation (Stilmittel): Bei der Personifikation wird ein lebloser oder ein abstrakter Begriff, oder aber auch ein Tier, „vermenschlicht“. Personifikationen treten z.B. immer in Fabeln auf (da Tiere wie Menschen handeln). Anderes Beispiel: Der Mond schaut zornig drein; der Mond nimmt hier also charakteristische menschliche Züge an. Mit „Depersonifizierung“ hingegen ist eine Form von „Entmenschlichung“ gemeint, da die Menschen hier die Charakterzüge eines Gegenstandes annehmen.
8 Alliteration (Stilmittel): Bei der Alliteration beginnen mehrere Worte mit dem gleichen Buchstaben. Beispiel: „Milch macht müde Männer munter.“
9 Verharmlosen.
10 Parenthese (Stilmittel): Einschub. Beispiel: „Ich möchte Ihnen, ich fasse mich ganz kurz, über die Vorgänge berichten“.
11 Höhepunkt.






Gottfried Benn 1886-1956

1 Der Mund eines Mädchens, das lange im Schilf gelegen hatte,... etc



Analyse und Interpretation:

Das Gedicht „Schöne Jugend“ (1912) von Gottfried Benn entstammt einer Gedichtsammlung namens „Morgue“ (übersetzt: Leichenschauhaus). Benn thematisiert in seinem Werk den Tod. Die äußere Form ist – entgegen vieler anderer expressionistischen Gedichte – sehr ungebunden: Es gibt keine durchgängige Metrik1 und kein bzw. kein regelmäßiges Reimschema. Typischerweise wird in expressionistischer Lyrik häufig versucht, den Inhalt in ein starre äußere Form zu pressen. Damit wird der Inhalt sozusagen „gebändigt“. Auf den Leser hingegen wirkt dieser Schreibstil wie ein Katalysator2, der die Wirkung verstärkt; der meist turbulente Inhalt von expressionistischen Gedichten steht dann nämlich plötzlich konträr der starren Form gegenüber.
Noch auffällig an Benns Gedicht ist, dass bei Enjambements3 (Z.1, Z.4, Z.8f) der Anfang des umgebrochenen Verses mit einem kleinen Buchstaben beginnt. Beobachtet man andere Gedichte bekannter expressionistischer Lyriker, dann sieht man z.B. bei Heym und Trakl, dass hier jeder Vers mit einem Großbuchstaben beginnt. Die verhältnismäßig freie Form von Benns „Schöne Jugend“ kann fast schon als „modern“ bezeichnet werden; der Ausbruch aus „Gängelungen“ wie Reimschema und Versmaß ist besonders bei moderner Lyrik zu sehen.

Benn wurde bei seinem Gedicht „Schöne“ Jugend wesentlich von Georg Heyms „Ophelia I“ (1910) inspiriert. In „Ophelia I“ wird der Tod eindringlichst über die Beschreibung eine Wasserleiche und Wasserratten geschildet. Beide Motive sind auch wesentliche Elemente von Benns „Schöne Jugend“.

Bei Benns Schilderung über die Wasserleiche ist zu sehen, dass der Sprecher auf recht wissenschaftlich-analytische Weise vorgeht. Die Leiche wird von außen nach innen beschrieben und geöffnet, wie es bei Obduktionen der Fall ist. Zunächst einmal wird geschildert, dass der Mund der jungen Verstorbenen angeknabbert aussieht (Z.1f). Danach wird der Brustkorb „aufgebrochen“ (Z.3) und die „löchrige“ Speiseröhre beobachtet. Der Höhepunkt der Leichenschau dürfte aber sicherlich die Entdeckung eines Rattennestes sein, welches sich von den inneren Organen und dem „kalten Blut“ des Mädchens ernährte (Z.5ff).

Jetzt können wir auch eine direkte Verbindung zum Titel des Gedichts ziehen. Mit „Schöne Jugend“ ist ganz offensichtlich nicht die Jugend des ertrunkenen(?) Mädchens gemeint, sondern die der Ratten. Auf den ersten Blick ist die Gleichstellung, die dadurch erreicht wird, von Mensch und Tier für viele zunächst befremdlich. Darüber hinaus werden die Ratten in Vers 6 auch noch personifiziert4 („Ein kleines Schwesterchen lag tot.“). Auf die Persönlichkeit der Leiche wird überhaupt nicht eingegangen. Der Sprecher bleibt distanziert und unpersönlich gegenüber seinem „Sezierobjekt“. In Vers 10 sagt der Sprecher auf ironisch gemeinte Art „schön und schnell kam auch ihr tot“; ebenso wie das Mädchen müssen die Ratten den Wassertod sterben, weil man sie ins Wasser wirft; die Parallelität dieser Schicksale ist auffällig. Der Ich-Sprecher ergötzt sich noch an den Sterbeschreien der Ratten (Z.12: „Ach, wie die kleinen Schnauzen quietschten!“).

Der Titel des Gedichts erweist sich also im Nachhinein als „Lesertäuschung“. Benn baut mit „Schöne Jugend“ eine völlig falsche Erwartungshaltung an den Leser auf. Durch die Diskrepanz5 zwischen Inhalt und Titel kann Benn jedoch die Wirkung seines Werkes vervielfachen.

Gottfried Benn wurde von seinem Freunden auch als „Der Medizyniker“ bezeichnet. Dass Benn ein Zyniker und Mediziner zugleich war, lässt sich hier zweifellos ablesen. Als Mediziner hatte Benn auch praktische Erfahrungen mit Leichen machen müssen. Seine Routine und Abgestumpftheit mit dem Thema Tod und seiner zynischen Art, erkennt man an dem für uns gefühllosem, respektlosem und entwürdigendem Umgang mit der Leiche. Es drängt sich für den Leser der Verdacht auf, dass der Ich-Sprecher in dem Gedicht „Schöne Jugend“ einen gewissen Hang zur Morbidität6 und Sadismus hatten. Der Sprecher schildert seine Beschreibungen in einem Zustand von Abscheu und Ekel, aber auf der anderen Seite auch einer gewissen Faszination.

In vielen Gedichten sind Rückschlüsse von dem Charakter des Ich-Sprechers auf den Gedichtautoren sehr wagemutig, in „Schöne Jugend“ würde ich allerdings Benn fast schon mit dem Sprecher gleichsetzen.

Die Wasserleichenproblematik, die häufiger im Expressionismus auftaucht und um die sich auch eine ganze Wassersymbolik und Wasserleichenpoesie rankt, wurde hauptsächlich durch die Figur „Ophelia“ aus Shakespeares Bühnenstück „Hamlet“ losgetreten. Nachdem der Geliebte von Ophelia (Hamlet) ihren Vater ermordet, wird Ophelia wahnsinnig und ertränkt sich im Wasser. Auch heute noch wählen viele Menschen bei Selbstmord den Wassertod. Psychologen interpetieren dies so, dass mit dem Tod im Wasser ein „Eins werden“ mit der Natur assoziiert wird. Ob die Wasserleiche in Gottfried Benns „Schöne Jugend“ allerdings nun wirklich den Freitod gewählt hat oder bereits tot war, nachdem sie ins Wasser geworfen wurde, ist nicht klar.

Benn wirft einen pathologischen Blick auf die Wasserleiche. Während in Shakespeares „Hamlet“ noch der Wassertod als poesievoll und friedlich dargestellt wird, schockiert Benn den Leser mit einer durchaus realistischen Sichtweise auf eine Wasserleiche, die den mystischen Schein von Ophelias Tod in Shakespeares Original gänzlich entzaubert. Die expressionistische Reaktion auf den Tod von Shakespeares Ophelia kann daher fast schon als Travestie7 oder Parodie bezeichnet werden.


Anmerkungen:
1 Versmaß.
2 Ein Katalysator verstärkt die Wirkung von etwas.
3 Zeilensprünge. Ein Satz wird hier häufig gegen die Logik des Lesers mittendrin umgebrochen und auf zwei Verse verteilt. Je nach Kontext und Art der Umbrechung kann der Satz damit abgehackt (da man wegen der Unlogik zu Gedanken- und Sprechpausen gezwungen wird) oder auch temporeich wirken.
4 Personifikation (Stilmittel): Bei der Personifikation wird ein lebloser oder ein abstrakter Begriff, oder aber auch ein Tier, „vermenschlicht“. Personifikationen treten z.B. immer in Fabeln auf (da Tiere wie Menschen handeln). Anderes Beispiel: Der Mond schaut zornig drein; der Mond nimmt hier also charakteristische menschliche Züge an.
5 Unterschied.
6 Verfall. Hier ist die Faszination über den Tod gemeint.
7 Satirisch, lächerlich machen. Ernsthafte Dichtung „auf’s Korn nehmen“.
12.9.06 14:09


Thesenpapier

Thesenpapier

In einem Thesenpapier werden die Grundsätze einer Stellungnahme - zu einer bestimmten Frage, zu einer Problematik - kurz zusammengefasst. Entscheident ist, dass der Umfang eines Thesenpapiers tatsächlich gering bleibt. Ein Thesenpapier muss schnell zu lesen und sollte auch leicht verständlich formuliert sein. Auf diese Weise kann Lesern bzw. Zuhörern beispielsweise erleichtert werden, einem Referat zu folgen, bzw. sich auf einen Vortrag vorzubereiten, Später kann das Thesenpapier wiederum dazu dienen, sich noch einmal Kernpunkte bestimmter Überlegungen ins Gedächtnis zu rufen. Das kann für Schüler z.B. bei Vorbereitungen für Prüfungen sehr hilfreich sein. Besonders sinnvoll sind Thesenpapiere, wenn kotroverse Standpunkte gegenüber gestellt werden sollen. So können alle Beteiligten einer Diskussion leicht ersehen, um welche Positionen gestritten wird. welche gegensätzlichen Standpunkte diskutiert werden sollen. Im Thesenpapier kann nicht ausführlich die Begründung für bestimmte Thesen vorgestellt werden. Entscheident bleibt, dass zentrale Thesen, die man sagen will, im Thesenpapier genannt sind. In diesem Sinne ist es sinnvoll, in Aussagesätzen zu scheiben. Will man Begründungen anfügen, so sollte das so kurz wie nur möglich geschehen. Dagegen ist wohl unverzichtbar, im Thesenpapier zu erläutern, zu welchen Sachverhalt bzw. in welchem Kontext bestimmte Thesen formuliert werden sollen. Daraus ergibt sich, dass man im Thesenpapier zunächst kurz sagt, wozu oder auch warum Thesen vorgestellt werden sollen, dann die Thesen selbst nennt bzw. aufzählt, um ggf. kurze Begründungen anzufügen. Manchmal ist es sinnvoll, einen abschließenden Ausblick oder eine abschließende Zusammenfassung anzufügen: Zukünftig muss mehr darüber nachgedacht werden ... Berücksichtigt man alle Gesichtspunkte, lässt sich somit sagen ...
10.9.06 22:31


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